Löschleistungsprüfung

Schaummitteltest

Die bevorzugte Schaummittelart für die Brandbekämpfung in Tanklagern mit brennbaren Flüssigkeitensollte ein Konzentrat sein, das eine gute Rückbrandbeständigkeit zeigt und darüber hinaus über schnelle Löscheigenschaften verfügt. Schaummittel müssen vor ihrer Einführung nach Normen und festgelegten Tests geprüft und zertifiziert sein. Eine der wichtigsten Normen für die Prüfung von Schaummitteln ist die DIN EN 1568.Hier wird bei Tests in kleinerem Maßstab eine sog. Löschleistungsstufe für die Schaummittel ermittelt, wobei die DIN EN 1568 in folgende Teile aufgeteilt ist:

 

  • Teil 1: Anforderungen an Schaummittel zur Erzeugung von Mittelschaum zum Aufgeben auf nicht-polare (mit Wasser nicht mischbare) Flüssigkeiten
  • Teil 2: Anforderungen an Schaummittel zur Erzeugung von Leichtschaum zum Aufgeben auf nicht-polare (mit Wasser nicht mischbare) Flüssigkeiten
  • Teil 3: Anforderungen an Schaummittel zur Erzeugung von Schwerschaum zum Aufgeben auf nicht-polare (mit Wasser nicht mischbare) Flüssigkeiten
  • Teil 4: Anforderungen an Schaummittel zur Erzeugung von Schwerschaum zum Aufgeben auf polare (mit Wasser mischbare) Flüssigkeiten

 

Übersicht über die wichtigsten Normen zur Leistungsprüfung von Schaumlöschmitteln

 

 

 

EN 1568-3

 

EN 1568-3

 

ICAO

Level A

ICAO

Level B

ICAO

Level C

IMO MSC/Circ.

582

 

Schaumrohr

UNI 86

 UNI 86

UNI 86

UNI 86

UNI 86

UNI 86

Leistung

11,4 L/min

11,4 L/min

11,4 L/min

11,4 L/min

11,4 L/min

11,4 L/min

Wannengröße

4,5 m²

4,5 m²

2,8 m²

4,5 m²

7,3 m²

4,5 m²

Wannenform

Rund

 Rund

Rund

Rund

Rund

Eckig

Applikationsrate

2,5 L/min/m²

2,5 L/min/m²

4,1 L/min/m²

2,5 L/min/m²

1,6 L/min/m²

2,5 L/min/m²

Applikationsart

Direkt

 Indirekt

Direkt

Direkt

Direkt

Indirekt

Brennstoff

 Heptan

Heptan

Kerosin

Kerosin

Kerosin

Heptan

Vorbrennzeit

3 min

 5 min

60 s

60 s

60 s

60 s

Löschzeit

< 3 min

I

< 5 min

III

< 60 s

< 60 s

< 60 s

< 5 min

3-4 min

II

 

 

 

 

 

 

Beschäumzeit

3 min

 

5 min

 

2 min

2 min

2 min

5 min

Rückbrandzeit

> 10 min

A

>15 min

B

> 5 min

> 5 min

> 5 min

> 15 min

 

10 - 15 min

C

 

 

5-10 min

D

 

Für die Brandbekämpfung in Tankanlagen werden vorzugsweise Schwerschaummittel eingesetzt, so dass aus der DIN EN 1568 die Teile 3 und 4 maßgeblich sind. Ein nach DIN EN 1568-3 und DIN EN 1568-4 als Schwerschaum geprüftes Schaummittel erreicht eine Löschleistungsstufe, die auf seinen Löschleistungs- und Rückbrandeigenschaften beruht. Für einen Schwerschaum für nicht-polare Brennstoffe (DIN EN 1568-3) bestehen drei Löschleistungsstufen (1, 2, 3) und vier Rückbrandbeständigkeiten (A, B, C, D), wobei die Löschleistungsstufe 1A die beste Stufe darstellt.

Schwerschaum zu Aufgeben auf nicht-polare Flüssigkeiten

EN 1568 Teil-3

Klasse Löschleistungsstufe Rückbrandbeständigkeit Filmbildung
AFFF (nicht AR) I C Ja
AFFF (AR) I A oder B Ja
FFFP (nicht AR) I B Ja
FFFP (AR) I A oder B Ja
FP (nicht AR) II A oder B Nein
FP (AR) II A oder B Nein
P (nicht AR) III B Nein
P (AR) III B Nein
S (nicht AR) III C Nein
S (AR) III C Nein

Für einen Schwerschaum für polare Brennstoffe (DIN EN 1568-4) bestehen zwei Löschleistungsstufen (1, 2) und drei Rückbrandbeständigkeiten (A, B, C). Auch hier werden die besten Schaummittel mit einer Löschleistungsstufe von 1A gekennzeichnet.

 

Schwerschaum zur Aufgabe auf polare Flüssigkeiten

EN 1568 Teil-4

Löschleistungsstufe nach EN 1568-4

Typische Schaumarten (nur zur Information, alleSchäume müssen die nach EN 1586 geforderten Leistungsstufe aufweisen)

1A  AFFF(AR), FFFP(AR)
1B  AFFF (AR), FFFP(AR)
1C  AFFF(AR), FFFP(AR)
2A  AFFF(AR), FFFP(AR), FP(AR)
2B  AFFF(AR), FFFP(AR), FP(AR)
2C  AFFF(AR), FFFP(AR), FP(AR)

AFFF =  Aqueous Film Forming Foam - Schaummittel
FFFP =  Filmbildende-Fluor-Protein - Schaummittel
FP =      Fluor-Protein - Schaummittel
P =        Protein - Schaummittel
S =        Synthetische Schaummittel
(AR) = alkoholbeständig 

 

Die Angaben in den obigen Tabellen zu den Löschleistungsstufen stammen aus der DIN EN 13565-2 des Jahres 2009. Es sollten auf jeden Fall die Zulassungsunterlagen der Schaummittel, die der Schaummittellieferant aushändigt, beachtet werden.

Die nach DIN EN 1568 ermittelte Löschleistungsstufe des Schaummittels geht in die Berechnungen der Aufgaberaten an Schaum-Wassergemisch nach DIN EN 13565-2 „Schaumlöschanlagen“ ein.

Neben dem Prüfverfahren nach DIN EN 1568 sind industrielle Standards häufig ein wichtiger Indikator für die Eignung und Wirksamkeit eines Schaummittels. In der Mineralölindustrie haben sich hierzu die sog. LASTFIRE Schaummitteltests etabliert, die speziell auf die Besonderheiten und Risiken bei der Brandbekämpfung von großen Kohlenwasserstoffmengen abgestimmt wurden. LASTFIRE (Large Atmospheric Storage Tank Fires) ist ein gemeinsames Projekt weltweit tätiger Mineralölkonzerne zur Untersuchung der Brandrisiken in großen Tanklagern. In Studien wurden die Ursachen von Tankbränden und die Methoden zur erfolgreichen Brandbekämpfung untersucht und daraufhin spezielle Test für Schaummittel entwickelt.

Bei den LASTFIRE Prüfverfahren werden verschiedene, für die Praxis sehr wichtige, Aufgabearten des Schaum-Wassergemisches (sog. Applikationsformen) berücksichtigt. Die Feuerwehren erhalten mit den Ergebnissen aus den LASTFIRE Schaummitteltests Informationen über die Wirksamkeit eines Schaummittels und ob es z. B. für eine Nutzung in stationären Beschäumungsanlagen oder bei der Brandbekämpfung mit mobilem Equipment wie Schaum-Wasser-Werfern geeignet ist.
Die Werkfeuerwehren in der Mineralölindustrie legen sehr großen Wert darauf, dass die bei ihnen zum Einsatz kommenden Schaummittel sowohl die Tests nach DIN EN 1568 als auch nach LASTFIRE erfolgreich bestehen und darüber hinaus ihre Eignung in realen Bränden bewiesen haben. Für Feuerwehren auf Flughäfen ist darüber hinaus sehr wichtig, dass die speziellen Vorschriften und Tests nach ICAO (International Civil Aviation Organization) von den Schaummitteln eingehalten werden.